Bericht Über das 3. Lyrik– und Prosatreffen auf der Insel Usedom

(13. o5. 2010 – 16. o5. 2010)

Anneliese Korte, Repräsentantin von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hatte zum inzwischen 3. Lyrik– und Prosatreffen auf Usedom im Ostseebad Ziinowitz eingeladen. Zahlreiche Lyriker und Textautoren reisten zu diesem Treffen an..

Heidrun Schaller, Repräsentantin von  Hamburg und Norddeutschland berichtet:

Am Freitag, den 14. 05. stand die Lyrikschreibwerkstatt am Programm

 

Als Schreibanstoß diente diese Collage

Die Aufgabe war: in 15 Minuten sich durch die Bilder und Worte zu einem Gedicht inspirieren zu lassen. Es beteiligten sich 14 TeilnehmerInnen, deren Texte dann nacheinander vorgetragen und konstruktiv kritisch miteinander bearbeitet wurden.

Einige der Ergebnisse liegen mir nun vor und ich denke, daß es auch für Außenstehende eine interessante Werkschau ist.

Textfeld: Ein Wort
Dir schenke ich ein Wort,
um Kummer zu trösten.
Was hältst du von „Sammetpfötchen“?
Dein Mund liebkost es bereits,
ohne daß du es weißt.
Weich ist es und warm,
ein Wort nur,
doch anschmiegsam wie eine Umarmung.
Renate Wende
Textfeld: Die Enge meiner Insel
Sehnsuchtsvoll begrüßte ich vor langer Zeit meine Insel,
watete tagelang durch Wasser fremder Gezeiten,
liebäugelte mit der Einsamkeit aller Träume,
schien die Insel als Spiegelbild leben zu wollen.
Doch dann kam der Orkan,
der mich rüttelte und mich dazu brachte,
auch das Festland in mir mit seiner Stärke anzunehmen.
Ich haderte, war hin- und hergerissen
Zwischen diesen zwei Welten,
im selben Moment rauschte das Meer mir zu,
beides ohne Ablehnung in meinem Leben den Freiraum zu geben.
Von nun an lerne ich das zu genießen,
worauf ich gerade erwache,
manchmal ist es die einsame Insel in mir und
manchmal auch das Festland, was mich klar werden lässt.
Manuela Binieck
Textfeld: Meine Zeit rast wie ein D-Zug
oder schon ein ICE?
Das Rad meines Lebens –
es kreist und kreist …
Drinn laufe ich
oft wie ein Hamster
immer weiter und immer weiter …
Keine Chance auszusteigen?
Bettina Gromm
Textfeld: Eyjafjallajökull * 2010
Worte
töten, helfen, lieben
breiten sich aus
wie die Wolken des Eyjafjallajökull
sind viel zu viele
Buchmessen – überfüllte
Handys – unentwegt plärrende
wie die Aschewolken
alles bedeckend
alles durchknirschend.
Ich suche das Wunder
wenige Worte, die berühren
wenige Worte, die aus - sagen
wenige Worte verschenkt,
ohne es zu wissen,
an ein Du
Helga Haas
* Vulkan auf Island
Textfeld: ein verschenktes Lächeln
weht
über dein Grab
führt mich
zurück
zu deinem Atem
Erinnerung
diese Brücke
Heidrun Schaller
Textfeld: ein Lächeln
kräuselt
die Wellen
zieht Kreise
um den morschenden
Kahn
vergessen im Schilf
trägt er
das Vermächtnis
unserer Begegnung
Heidrun Schaller
Textfeld: Riesenrad und Eisenbahn
Kunst und Natur.
Alles Wunder?
Nein.
Nur die Natur!
Mir fehlen die Worte,
denke ich an Orte,
wo,
heute noch
ursprünglich ist die Natur.
Nur dort,
vor Ort,
kann ich sie genießen,
gebrauche keine Worte,
verschenke sie auch nicht.
Denn:
Meine Worte
haben für andere
kein Gewicht
Meine Erkenntnis:
Wunder
gibt es nur
in der Natur
Annelies Arnold
Textfeld: Die Reise der Engel
Mit Schwung dreht ein Engel am Riesenrad,
das eigentlich ein Glücksrad ist,
um bewusst eine schöne Zeit zu genießen,
die Geschwindigkeit selbst zu bestimmen
oder die Zeit auch einmal anzuhalten.
Ohne Worte ruft er seine Geschwister herbei.
Und Engel nehmen Platz in den Gondeln.
Das riesige Rad setzt sich in Bewegung.
Das Wunder fängt an:
Die Fahrt führt himmelwärts
 – nichts Neues –
Und doch schenken die Engel nun
der Natur ihre Aufmerksamkeit
aus einem anderen Blickwinkel:
Unter ihnen fährt ein Zug
 – ziehende Vögel sind ihnen lieber –
Die Freude der Engel ist groß,
einen See zu sehen:
am Ufer ein Boot.
Ruhe – Frieden – Wasser
Und das Träumen kann beginnen …
Diese Träume schicken sie dann zu Dir.
Corinna Riccius
Textfeld: immer schneller
mal Oben
mal unten
mein Lebenspuls
jagt mich
durch
die Stunden Tage Wochen
weiter
immer weiter
hämmert
das müde Herz
darf nicht ruhn
nicht stolpern
muß schlagen
den Rhythmus
Tag und Nacht
damit mein Atem
mich weiter trägt
Heidrun Schaller

Anneliese Korte und Heidrun Schaller

Werner Seibel

Textfeld: Wunder, ich sehe sie.
Jederzeit streift mich das Erkennen.
Das Kind erwacht im Herzen.
Mit Staunen fängt sein Auge
alle Wunder ein.
Schmetterlingsflügel, Blumenpracht,
Stein am Wegesrande.
Mit Staunen fängt sein Auge
alle Wunder ein.
Das Kind, es lebt.
In mir.
Marina Grieser

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